
Der 1929 erschienene Roman La femme qui boit (Eine Frau, die trinkt) von Colette Andris war lange vergessen – 2025 erschien er erstmals auf Deutsch. In poetischer Sprache und ungewöhnlicher Form erzählt das Buch vom Leben einer Trinkerin im Paris der 1920er Jahre.
Das erste Mal betrunken ist Guita mit acht Jahren. Um ihre Eltern zu »bestrafen«, die ihr kein Schmetterlingsnetz kaufen wollen, trinkt sie Wein aus dem großen Fass im Keller. Dann, sechzehnjährig, betrinkt sie sich auf einer Party mit Champagner. Das versteht ihr Freund Jacques als Freibrief und geht viel zu weit. Sie heiratet ihn, weil es sich so gehört, und trinkt weiter. Absinth, Portwein, Gin, Whisky. Guita gibt sich den Männern und dem Rausch hin und ertränkt jeden Tag in »dem sinnlichsten aller Nebel, in dem alles in einem einvernehmlichen Nichts zu schwimmen scheint«. In diesem ebenso hungrigen wie trunkenen Frauenleben verbinden sich Lebenslust und Verzweiflung, Missbrauchserfahrungen und Selbstermächtigung in eindrücklicher, zwiespältiger Weise.
Jan Rhein ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Romanistik der Europa-Universität Flensburg sowie Literaturübersetzer aus dem Französischen. Er hat das Buch übersetzt und mit einem Nachwort versehen und wird den Text und seine Autorin vorstellen.
Dazu wird Sarah Nielsen Ausschnitte daraus lesen.
Veranstaltet von Tigerberg e.V. und Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung
Dienstag, 27. Januar 2026
19:00 Uhr
Carl-von-Ossietzky-Buchhandlung


